SANKT•SPIRITUS

Die Schreibwerkstatt von Carmen Winter

Der Kürbis

Gepostet von am 10. Nov. 2014

Der Kürbis

Ich bin Swantje und mache ein Praktikum bei Frau Winter. Heute soll ich einen Gastbeitrag schreiben. Außerdem gehe ich in einer ihrer Schreibkurse. Das letzte Mal in der Schreibwerkstatt schrieben wir über einen kleinen, grünen Kürbis, der mit Beulen übersät war. Lange betrachteten wir den Kürbis und fühlten die Struktur seiner Oberfläche. Und dieser Kürbis stellte ein wunderschönes Motiv für eine Herbst oder Halloweengeschichte dar. Halloween ist zwar schon vorbei, aber der Herbst noch lange nicht. Während wir schrieben suchte Frau Winter aus der Wortschatzkiste das Wort >Psst!< , raus welches wir dann sofort in die Geschichte einbauen sollten. Ich schrieb über Halloween, der Kürbis war die Nase einer gruseligen Strohpuppe, andere ließen den Kürbis sprechen. Ich wünsche euch viel Spaß beim Schreiben! Was fällt euch zu diesem Kürbis ein? Nun kommt meine Geschichte:

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Halloween ist immer wieder besonders. Wir zogen jedes Jahr um die Häuser und hatten unseren Spaß. Doch dieses Mal meinte plötzlich jeder, es sei zu kindisch. Was war daran bitte kindisch? Wir wollten doch nur Süßigkeiten. Selbst mein Kumpel-Freund meinte, in unserem Alter sollte man nicht mehr Süßigkeiten einsammeln. Dabei gab es noch viele andere Möglichkeiten. Man kann Horrorfilme schauen, jedoch war das für mich unmöglich. Oder kleine Kinder erschrecken. Das ist doch witzig! Nur wird uns da sicher ein alter Mann vollmeckern. Der würde mir auf jeden Fall den schönsten Tag des Herbstes versauen. Es gab noch eine andere Möglichkeit. Ich könnte mit der Tochter der Freundin meiner Mutter feiern. Das Problem war ihr Alter. Sie war erst neun, und anstrengend. Aber ich hatte wohl keine andere Wahl. Die Kleine konnte nicht so schlimm wie ein Horrorfilm sein. Auch wenn Jamie, mein Kumpel-Freund mit gucken würde. Seit Monaten war ich in ihn verliebt. Doch ich traute mich einfach nicht es ihm zu sagen! Außerdem hatte ich nicht das Gefühl, dass er mich sonderlich mochte. Immer schlug er mir auf den Arm. Schrecklich war das.

Am 31. Oktober schrieb ich ihm in einer SMS, dass ich mit der 9-jährigen Sally an seinem Haus vorbei kommen würde. Als Antwort bekam ich: „Ok.“ Mitkommen wollte er nicht. Wahrscheinlich fraß er wie meine anderen Freunde Chips und schaute >The Ring< oder was es sonst noch für Alptraumförderer gibt.

„Hey, was hast du bekommen?“, fragte Sally fröhlich. „Einen Lutscher.“, murmelte ich. „Ha! Ich hab Schokolade bekommen.“ „Ja, und was ist daran besser?“ Sally blickte mich ernst an. „Ok, Schokolade ist viel besser.“, gab ich zu. Endlich kamen wir an Jamies Haus vorbei. Das Haus war von einer akkurat geschnittenen Hecke umgeben. Es raschelte. „Psst“, machte Sally. Und dann warf plötzlich jemand eine hässliche Puppe vor unsere Füße. Sally rannte schreiend weg. Ich war total geschockt, doch hinter der Hecke tauchte Jamie auf. Er grinste breit. „Die habe ich selbst gemacht.“, sagte er stolz. „Was!?“, fragte ich, wusste jedoch im selben Moment, dass die Puppe gemeint war. Mit den Knopfaugen und dem grünen Kürbis als Nase. Die dünnen Ärmchen aus Stroh fielen fast ab von dem unförmigen Körper. Bei ihrem Anblick wurde mir bewusst, dass Jamie einfach nur dämlich war. „Willst du sie haben?“, fragte er. „Äh, nein ich muss Sally suchen“, meinte ich, „Aber die Kürbisnase nehme ich mit!“ Ohne noch ein Wort zu sagen ging ich los und ließ Jamie an der Hecke stehen.

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